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  • carolin rebmann

Advent, Advent




Wenn ich die Status-Meldungen meines Bekanntenkreises zum Adventsbeginn sehe, fallen mir ein paar Dinge auf: Es gibt wohl viele kreative Eltern, die sehr viel Mühe und Zeit in die Adventskalender ihrer Kinder investieren und diese liebevoll und pünktlich zum 1. Dezember bereitstellen. Ich sehe aber auch die vielen Päckchen und Geschenke und zucke innerlich etwas zusammen: Wenn die Adventskalender schon aus allen Nähten platzen, was haben dann Weihnachtsmann und Christkind noch zu tun? Wenn sie noch einen oben drauf setzen wollen, müssten sie wohl anstatt mit dem Schlitten mit dem LKW anrücken.


Ich verstehe den Wunsch der Eltern, den Kindern eine Freude machen zu wollen. Und mir selbst gelingt es auch nicht so gut wie ich möchte, die Geschenke auf ein Minimum zu reduzieren. Hier und da noch etwas, und da noch ´was und diese Kleinigkeit geht immer…


Und dann frage ich mich irgendwann, welche Bedeutung Weihnachten für mich hat und wie sich später meine Kinder an diese Zeit erinnern sollen? Was ist mir wichtig? Sicherlich spielen die Geschenke eine wichtige Rolle. Schenken und beschenkt werden macht einfach Spaß! Aber da gibt es doch noch den anderen Teil dieser Weihnachtsgeschichte, der mich weg vom Konsum führt, hin zur Einkehr, zur Besinnlichkeit, zur Demut. Selbst wer nicht den Ursprung des christlichen Festes im Sinne hat, wird doch zur Weihnachtszeit eine Besonderheit verspüren, die meistens mit dem besonderen Wunsch nach Ruhe, nach Zeit füreinander und Harmonie einhergeht. Teilen, dankbar sein und bewusst an die denken, die nicht (so) viel haben - das ist doch auch Weihnachten oder? Warum gestalten wir dann die Adventskalender als künstlich aufregendes und auf Konsum ausgelegtes Vorspiel für den kurzen Höhepunkt unter dem Weihnachtsbaum? Wer einmal miterlebt hat, wie Kinder in Lichtgeschwindigkeit - eher maschinell gesteuert als menschlich gerührt - die Päckchen unterm Baum aufreißen und das prächtig dekorierte Wohnzimmer in nullkommanix in einen Dschungel aus Geschenkpapierschnipseln verwandeln, muss feststellen, dass die Weihnachtsbotschaft des Gottesdienstes schnell verpufft und die Freude über die neuen Spielzeuge meist kurzweilig ist.


Sich also mit der Frage zu beschäftigen, was einem selbst wichtig ist, was man vorleben möchte, welchen Werten man folgt, finde ich immer gut. Zu Weihnachten, zu Neujahr, im Alltag. Es ist einfacher eine Haltung zu etwas zu entwickeln und sein Verhalten daran auszurichten, wenn wir wissen, worauf es uns ankommt. Und während ich von meiner inneren Werte-Tabelle schon wieder in Gedanken zu der Geschenkliste 2020 abdrifte, fällt es mir plötzlich wieder ein: Das Grundschulkind, das auf die Frage, was es sich zu Weihnachten wünsche, sagte: Schnee!

Schnee – das Bild der weißen Weihnacht. Ich merke, wie mich dieses Bild bewegt. Schnee nimmt die Hektik, macht langsam, Schnee ist ein Dämpfer des Alltags, macht die Welt leise und einheitlich.

Ein kindliches Bild von Weihnachten und ein Bild aus der Kindheit. Denn es sind mir am Ende nicht die Weihnachten in warmer Erinnerung geblieben, an denen es die tollen Geschenke gab, sondern die, an denen sich Kirchengeläut und Schneeflocken zum spürbaren Weihnachtswunder vereinten und an denen ich nach der Bescherung noch mit meiner Schwester die verschneiten Weinberge auf einem viel zu kleinen Schlitten hinunter jagte…

Ob ich also meine Geschenkliste noch einmal überarbeite und reduziere? Ja, nächstes Jahr. Bestimmt.









Bild: Frank Kuhnert, Fotografien kleiner Welten, Bescherung

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