Suche
  • carolin rebmann

Akzeptanz, Veränderung, Freiheit: Zwei Workshops zum Thema Loslassen



Mit dem bekannten Spiel „Ich packe meinen Koffer“ starteten wir in unsere Schreibworkshops an diesem Samstag zum Thema Loslassen. Doch anders als gewöhnlich wollten wir den Koffer nicht füllen, sondern entrümpeln und Dinge wegwerfen, die wir nicht mehr brauchen. Schnell fiel dabei auf, dass es beim Loslassen nicht nur um alte Schuhe und den ungeliebten Kellerinhalt geht, sondern auch um große Emotionen, Schuld- oder Angstgefühle.


Aber wie ist es möglich, etwas loszuwerden, was einen meistens schon sehr lange begleitet? Und ist Loslassen überhaupt immer der richtige Weg? Gibt es ihn? Den richtigen Weg? Von Postkarten und anderen Bildern haben wir uns zu diesen Fragen leiten lassen. Und auch manch eine konkrete Antwort darauf gefunden. Jeder für sich. Es entstanden wundervolle, bewegende Texte über steinige, unsichere Wege, die man erforschen wird. Über dunkle Gedanken, die in den Himmel steigen, über die Chance auf Veränderung durch Loslassen und die Schwierigkeit, sich entscheiden zu können und zu müssen. Immer wieder aufs Neue.

Ein Faultier wurde einmal zum Symbol für Trägheit und Bewegungsunfähigkeit. Innere Leere. Auf der anderen Seite stand es für Kraft und Ausdauer, sich ungebrochen festzuhalten, stets begleitet von der Angst vor dem Fall. Loslassen heißt manchmal akzeptieren. Der drohende Abschied der sterbenden Mutter wird damit ein Stück weit erträglich. Loslassen heißt Ängste überwinden, aus gewohnten Mustern ausbrechen. Loslassen heißt zulassen. Zulassen, nicht immer perfekt zu sein, zulassen, dass Veränderungen zum Leben dazugehören. Loslassen heißt, sich einen Überblick zu verschaffen, Abstand gewinnen. Kontrolle abgeben.


Haben wir noch alles im Griff, wenn wir loslassen?


Nicht immer bedeutet loslassen also, dass wir ohne etwas sein wollen. Das, was uns manchmal das Leben scheinbar erschwert, ist ein Teil von uns und hat eine Bedeutung. Deshalb haben wir uns bei diesem Teil bedankt, ihn gehuldigt und – mit ein bisschen Ironie – gefeiert. Trotz aller Anerkennung der Schwere war doch unser Ziel, am Ende leichter zu werden. Was wir dazu benötigten, waren gute Alternativen zu bisherigen Strategien, Gedanken- und Verhaltensmustern. Und ein Symbol, das uns im Alltag an unsere Loslassen-Schritte erinnert. Papierboote wurden beschriftet, kleine Schatzkästchen befüllt, Schlüsselanhänger als Alltags-Anker gestaltet und hartnäckige Verspannungen kurzum in Seifenblasen verwandelt und sanft durch die Nacht gepustet.


Leicht. Schwebend. Fragil.


Und weil wir zu Beginn so fleißig entrümpelt hatten, konnten wir am Ende unseren Koffer mit neuen Inhalten füllen und uns mit viel Zuversicht, Entscheidungsfreude und Dankbarkeit auf den (Heim)weg machen.