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  • carolin rebmann

Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Wie Sie Ihre Ziele tatsächlich erreichen


Viele Menschen verbinden den Jahreswechsel schon fast traditionell mit dem Zwang, gute Vorsätze für sich zu entwickeln. Doch meistens passiert mit ihnen (mit den Vorsätzen, nicht mit den Menschen) dasselbe wie mit den Silvesterraketen – sie verpuffen im Himmel, der Rauch ist schnell verflogen und im Alltag des neuen Jahres wird sich kaum etwas verändern. Das muss nicht unbedingt an einer zu geringen Veränderungsbereitschaft liegen, sondern vielmehr daran, wie wir Ziele und Vorsätze formulieren. Ein Vorsatz für 2019 könnte also lauten: Setzen Sie sich die richtigen Ziele, auf die richtige Art und Weise.

ab morgen wird alles anders... die Sache mit den guten Vorsätzen

Ein, zwei, drei Vorsätze fürs neue Jahr: Und dann? Die meisten Vorsätze sind schnell gefunden: weniger essen, nicht mehr rauchen, mehr Sport, Freizeit genießen und sich weniger aufregen. Mehr Geld darf auch bei vielen auf der Wunschliste nicht fehlen. Grundsätzlich ist es gut, sich Dinge vorzunehmen, ein Ziel anzuvisieren. Denn es motiviert uns und kann Energien freisetzen. Wenn wir jedoch schon nach kurzer Zeit merken, dass wir diese Vorsätze ohnehin nicht einhalten und Ziele nicht erreichen können, sind wir demotivierter als davor. Wie lässt sich das verhindern?

Im Coaching geht es häufig darum, Ziele auf eine ganz bestimmte Weise zu definieren. Der Klient wendet sich aus einem problematischen Zustand heraus oder mit einer bestimmten Wunschvorstellung an den Berater. Dann ist es die Aufgabe des Coachs, gemeinsam mit dem Klienten dieses bereits bestehende Ziel zu schärfen. Das klingt erst einmal profan, dahinter steht jedoch ein bedeutender und komplexer Prozess, der sich über mehrere Sitzungen sowie über den Beratungsprozess als solchen erstrecken kann. Zum einen kommt es auf die Formulierung des Ziels an, die bestimmte Kriterien erfüllen sollte, um die Chance, es zu erreichen, zu erhöhen. Zum anderen ist es nicht auszuschließen, dass sich im Laufe des Coachings, das anfängliche Ziel des Klienten mit der Zeit verändert und bisher unbewusste Glaubenssätze, Konventionen, unbewusste Fremdaufträge und Erwartungen anderer zu Tage kommen, die das zu Beginn formulierte Ziel beeinflusst haben. In diesen Fällen ist eine Beratungsarbeit sehr tiefgehend und kann nachhaltige Veränderungen mit sich bringen, die eine psychologische Betreuung erst recht sinnvoll oder sogar notwendig machen. Grundsätzlich kann jedoch jeder Mensch mit Hilfe von Selbstcoaching Ziele so formulieren, dass sie sich gut umsetzen lassen, vorausgesetzt Sie beachten ein paar Eckpunkte – Ihre Vorsätze fürs neue Jahr sind eine gute Übung dafür.


Wie formulieren Sie ein Ziel? Es gibt ein paar Leitlinien, an denen Sie sich orientieren können, um Ihr Ziel so zu formulieren, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich umsetzen lässt. Hier ein paar Anregungen dazu:


Positiv und in der Gegenwart formuliert: Sie wissen, was passiert, wenn ich Sie nun auffordere, nicht an eine Tafel Schokolade zu denken? Richtig, unweigerlich haben Sie ein Bild davon im Kopf. So ähnlich verhält es sich auch mit Vorsätzen und Zielen. Ihr Unterbewusstsein erkennt keine Verneinung. Anstatt „nicht mehr zu rauchen“ sollten Sie demnach immer Ihre Aufmerksamkeit auf das lenken, was Sie wollen und nicht auf das, was Sie nicht möchten. Es gibt zwar Menschen, die sich durch Verneinungen gut motivieren können, meistens ist die Erfolgsrate jedoch deutlich höher, wenn Sie sich positiven Formulierungen zuwenden und diese verinnerlichen. Dies stärkt das positive Denken allgemein und vermittelt Optimismus und Zuversicht. Zusätzlich ist es sinnvoll, so zu formulieren, als hätten Sie Ihr Ziel bereits erreicht: „Nichtraucher sein.“ „Gesund leben.“ „Auf meinen Körper Acht geben.“ Diesen in der Gegenwart und positiv formulierten Satz ergänzen und schärfen Sie nun unter weiteren Kriterien. Selbst erreichbar und spezifisch: Elementar für einen sinnvoll formulierten Vorsatz ist es, sicherzustellen, dass er durch Sie selbst erreichbar ist und sich die Veränderung ausschließlich auf Sie und Ihr Verhalten, Ihr Gefühl o.ä. bezieht. Denn nur das können Sie auch wirklich beeinflussen. Außerdem muss das Ziel so konkret und spezifisch beschrieben werden wie möglich. Allgemein formuliert „glücklich sein“, „sich weniger ärgern lassen“ oder „sich beruflich verbessern“ wird nicht helfen, eine tatsächliche Veränderung herbeizuführen. Hingegen können Sie zusätzlich formulieren, in welchen Situationen Sie mehr Glück verspüren möchten und wie sich das anfühlen wird, durch wen und wann Sie sich weniger ärgern lassen und wie Sie stattdessen reagieren möchten. Auch der Vorsatz, sich beruflich zu verbessern, lässt sich deutlich konkretisieren. Geht es darum, einen neuen Job zu finden, eine Weiterbildung zu machen, eine Gehaltsverhandlung zu führen oder die Kooperation mit Kollegen zu fördern?


Realistisch: Nicht jeder Vorsatz ist ein Ziel, manchmal handelt es sich einfach um Wünsche. Und auch das Wünschen besitzt eine Form kraftspendender Magie, die uns glauben lässt, dass sie sich erfüllen werden, sofern wir davon ausreichend überzeugt sind. Hier geht es in erster Linie wieder um die Konzentration auf das Positive, was tatsächlich hilfreich und sogar erfolgreich sein kann (Glaube versetzt schließlich Berge).

Ein Ziel zu erreichen, ist vielleicht weniger magisch, aber auf jeden Fall selbst praktikabel und steuerbar. Dazu sollte es aber unbedingt realistisch und vernünftig sein. Während zu große Vorstellungen am Ende in Enttäuschung umschlagen können, sind auch zu kleine, unbedeutende Ziele keine guten Beispiele einer gelungenen Zielsetzung. Einen „Marathon-Gewinn“ anzustreben, wenn Sie noch nicht einmal die richtigen Laufschuhe bisher besitzen, wird Sie ähnlich frustrieren wie die Aussicht „ein bisschen Sport zu machen“, was auch bedeuten könnte, sie kaufen zwar die eben erwähnten Turnschuhe, nutzen sie aber nur alle drei Monate. Sie haben dann „ein bisschen Sport gemacht“ sind aber meilenweit von Ihrem eigentlichen Ziel entfernt und wahrscheinlich nicht zufriedener als davor.


Attraktiv für Sie: Im ersten Moment scheint es mehr als logisch zu sein, dass das Ziel für Sie attraktiv und anziehend sein muss, aber auf den zweiten Blick merken wir, dass es sich um ein sehr wichtiges Detail handelt. Was möchten wir wirklich? Unabhängig von der Erwartungshaltung anderer, von gesellschaftlichen Konventionen oder anderen beeinflussenden Faktoren müssen wir für uns ein Ziel entwickeln, das uns und unseren Bedürfnissen entspricht. An dieser Stelle bewegen wir uns an der eingangs erwähnten Problematik unbewusster Glaubenssätze o.ä., die uns, unser Verhalten, Denken und Wünschen prägen. „Abnehmen“ ist ein Vorsatz, den viele Menschen beschließen, aber wer kann mit Sicherheit sagen, dass es sich dabei wirklich um einen ausschließlich eigenen, persönlichen Vorsatz handelt? Wie viele Kilos möchten Sie abnehmen und warum? Weil der Arzt Ihnen körperliche Folgen prognostiziert hat? Oder hat sich vielleicht der Partner zu Ihrem Gewicht geäußert? Weil Sie sich sagen, dass Sie unbedingt wieder in dieselbe Hosengröße passen müssen wie vor Ihrer Schwangerschaft? Oder weil Sie sich gehen lassen haben, faul wurden in den letzten Jahren und Ihnen tatsächlich Bewegung und ein bewusster Umgang mit Ernährung fehlen? Hinterfragen Sie sich und Ihr Ziel und nutzen Sie dazu die Gesamtheit Ihrer Sinne. Spüren Sie in sich hinein, denken und fühlen Sie sich in das Ziel hinein, hören Sie auf die Stimmen, sehen Sie die Bilder, die vor Ihnen auftauchen und versuchen Sie ein Gespür dafür zu bekommen, was Sie tatsächlich möchten.


Zeitlicher Rahmen: Setzen Sie sich für das Erreichen des Ziels auch einen zeitlichen Rahmen. Wann und wo werden Sie Ihr Ziel erreicht haben? Haben Sie einen konkreten Termin? Gibt es Zwischenziele oder Etappen, mit denen Sie Ihren Plan gliedern können?


Messbar: Eine gute Zielformulierung enthält neben zeitlichen Angaben auch nachvollziehbare Beweise, Messgrößen und Verhaltensweisen, mit denen sich überprüfen lässt, ob Sie Ihr Ziel wirklich erreicht haben.


Jetzt sind Sie dran Starten Sie das neue Jahr mit viel Optimismus und guten Ideen. Sie brauchen keinen Jahreswechsel, um sich etwas vorzunehmen, er kann aber ein guter Anlass sein. Ich wünsche Ihnen viel Spaß, Ihre Formulierung zu entwickeln bis sich Ihr Ziel konkret, realistisch und spezifisch genug anhört, um so viel Motivation freizusetzen, damit Sie direkt anfangen, daran zu arbeiten.

Auf ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2019!

    © 2018 by Carolin Rebmann